Montag, 28. August 2017

Island - Ein Land von Eis und Feuer - Teil 2

Weiter geht es mit der Erkundung Islands.

Im letzten Beitrag schloß ich damit ab, dass wir am Vulkansee Mývatn einige Geheimtipps verpasst haben.
Das ganze Gebiet um den See ist ein in sich geschlossenes Erholungsgebiet mit tollen Wanderwegen, rustikalen Landschaften, frischer Luft und vielen kleinen Dingen, die es zu entdecken gilt - typisch Island eben.

Wir entschieden uns dazu, anstatt direkt in Richtung Osten zu fahren die alte Walfängerstadt Húsavík, die heutzutage Heimat des Walmuseums und ökologischer Walbeobachtungen ist, zu besuchen.
Das Museum ist, wie so ziemlich alle historischen Ausstellungen des Landes mit knapp 15 € Eintritt sicher nicht billig, aber ungefähr im landesweiten Durchschnitt einzuordnen.
Den auf den ersten Blick hohen Preis macht die doch sehr kleine Ausstellung mit sehr viel Anschauungsmaterial wieder weg.
Eine genaue Beschreibung jeder Walart, sowie Bild-,Ton- und Videomaterial sind genauso Bestandteil des Museums, wie Walskelette, die akribisch konserviert wurden.
Das Highlight bildet hier sicher ein 25 Meter langes Blauwalskelett eines mittelgroßen Bullen, der vor einigen Jahren auf Island gestrandet ist.
Wer im Norden Islands unterwegs ist, tut gut daran sich die Geschichte der Wale Islands in dieser Ausstellung anzusehen.

Man merkt Húsavík definitiv seinen Reichtum durch den Tourismus an, gibt es hier doch die größte Chance auf Walsichtungen auf der ganzen Insel.

Fährt man die Hauptstraße 85, welche durch den Ort führt, weiter entlang der Küste nach Norden findet man sich, sobald man die Landzunge hinter sich gelassen hat, am Rand des Nationalparks Jökulsárgljúfur / Vatnajökull wieder.
Hier gibt es die Möglichkeit rechts- und linksseitig des großen Canyons entlang zu fahren, wodurch man letztlich rechts oder links des wasserreichsten Wasserfalls Europas landet.
Vorher sollte man tanken, da die Fahrt an sich schon recht lange dauert und am Ende des Nationalparks auch nicht gerade die Zivilisation in seiner Reinkultur auf dich wartet.
Daher unbedingt vorher direkt neben dem Nationalpark tanken und sich für eine Route entscheiden.
Dazu sei zu sagen, dass man auch in den Canyon fahren kann.

Ásbyrgi, so der Name des Canyons wird auch Sleipnir´s Hufabdruck genannt.
Sleipnir, für die, die es nicht wissen, ist das achtbeinige Pferd des Göttervaters Odyn und es soll hier seinen Hufabdruck in der Erde hinterlassen haben.

Wir wählten die von Norden kommend rechte Seite des Nationalparks zu befahren, also die westliche Route, da man hier die Möglichkeit hat mit Hljóðaklettar eine der spektakulärsten Basaltsteinformationen zu sehen, die es auf unserem Planeten gibt.
Hier scheinen sich riesige Säulen aus Basaltstein an Steilwänden in alle Richtungen zu biegen und zu winden.
Von den Kräften der Erde gegeneinander verschoben ist dieser Ort definitiv einen Besuch wert.

Würde man mich im Norden des Nationalparks absetzen, würde ich glauben, ich bin in einer nordamerikanischen Steppe.
Verdorrte trockene Pflanzen, Nadelgewächse und der Canyon bilden ein für Island einzigartiges Gesamtbild.

Den Kontrast dazu bildet das Gebiet um den bereits erwähnten Wasserfall.
Wie eine Mondlandschaft besticht der Drehort des Films Prometheus durch dunkelgraue Aschefelder durchzogen von kleinen Steinen.
Hier liegt mit dem Dettifoss Europas leistungsstärkster Wasserfall am südlichen Ende des Nationalparks.
Fast 200 Kubikmeter Wasser stürzen hier pro Sekunde in die 45m tiefe Schlucht hinab.
Den Wasserfall kann man bereits aus einiger Entfernung hören und ich muss sagen, es ist einfach gewaltig, was sich hier einem bietet.


Man muss am Rand des Wasserfalls stehend schreien um einander zu verstehen, als würde ein Güterzug kontinuierlich an einem vorbeifahren.

Rückblickend betrachtet, war dies für mich der Auslöser.
Ich habe keinen der anderen Wasserfälle mehr so richtig wahrgenommen, alles verblasste im Vergleich mit dieser Naturgewalt.
Ihr wollt Schönheit und Wucht bestauen? Dann seht euch den Dynjandi und den Dettifoss an und macht danach für alle Zeit einen Haken an das Thema Wasserfälle Europas.

Da wir an diesem Tag aus der Bucht von Akureyri bis hierher gefahren waren, kamen wir sehr spät am Wasserfall an und waren insgesamt 6 Personen auf beiden Seiten des Monsters.
Diese Entspanntheit an einem der Touristenhotspots des Landes war wirklich sehr zu genießen.

In den Abendstunden des nun bereits 7. Tages fuhren wir in Richtung des selbst für isländische Verhältnisse entlegenen Zeltplatzes Möðrudalur.
Dieser ist für mich der schönste Campingplatz auf dem ich jemals gewesen bin.

In Mitten einer kargen Steinwüste liegt eine kleine Gruppe von Häusern, die am Ehesten an eine Hippiekommune erinnert. Naturbaustoffe wie Moos und Holz runden den rustikalen Look ab und Sammy die Hausziege verleiht dem Ort Charakter.
Von hier aus kann man auch zu den unzähligen Helikopterrouten starten, die aber so sündhaft teuer sind, dass wir nie an eine Buchung dachten.
Mit Blick auf den weit entfernten Tafelvulkan und die Königin der Berge Islands, Herðubreið, kann man hier komplett abschalten und die Seele baumeln lassen.

Wir hatten uns für den nächsten Tag nicht allzu viel vorgenommen, allgemein empfinde ich den Osten Islands als eher spärlich mit Pflichtprogrammpunkten gesät.
Tag 8 stand im Zeichen des Ostens Islands und dessen Durchquerung.

Mit Egilsstaðir liegt am großen Bergsee Lagarfljót eine kleine beschauliche Stadt, an die im Osten einige der schönsten Fjorde des Landes grenzen.
Der Schauspieler Ben Stiller beispielsweise fuhr in seiner Rolle des Walter Mitty die malerischen Serpentinen des Seyðisfjörður auf einem Longboard hinab.
Wer nicht für Filmkulissen, sondern schöne Orte das Land bereist, der sollte trotzdem in diesen Fjord einbiegen, denn die gleichnahmige Stadt wirkt umgeben von riesigen Klippen wie ein Alpendorf mit einer Menge Charme.
Leider haben wir etwas Pech mit einer kleinen Wolkendecke gehabt und konnten den Fjord daher nicht in seiner ganzen Pracht sehen.



Nachdem wir den Fjord wieder verlassen hatten, ging es weiter die Ringstraße 1 entlang in Richtung Süden.
Die Region um Egilsstaðir, die den Namen Austurland trägt erinnert sehr an eine schöne alpine Bergregion mit satten Wiesen.
Hier laden Bergflüsse und Wanderpfade zum Erkunden ein.
Da wir am diesem Tag noch bis in den Süden vordringen wollten, fuhren wir durch Abkürzung über eine kleine Bergstraße recht zügig bis an die Südostspitze Islands.

Hier, am Leuchtturm von Hvalnes gibt es den schönsten Vulkansteinstrand des Landes.
Am Leuchtturm stehend, konnten wir das Ende des schmalen Strandes in der Ferne nur erahnen.
Hier blies uns zum ersten Mal ein heftiger Wind entgegen, so stark, dass man bereits aufpassen musste, dass einem die Autotür nicht weggerissen wird.


Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass mich eine Mietwagenfirma explizit darauf hingewiesen hat, dass durch Winde zerstörte Türen nicht im Versicherungspaket enthalten sind.
An diesem Ort wurde mir klar, warum das der Fall ist.
Eine Unachtsamkeit bei starkem Wind und das Türgelenk reißt aus.

Scharen von Eiderenten belagern den Strand und bieten abermals den Vogelenthusiasten eine tolle Anlaufstelle.

Da wir uns nun im Süden der Insel befanden, konnten die großen Gletscher nicht weit sein.
Der Vatnajökull ist gleichzeitig der größte Gletscher des Landes, sowie der mit Abstand größte Nationalpark.
Der Park erstreckt sich über 14% der Landmasse Islands und beherbergt neben Vulkanen und mehreren Gletschern auch den berühmten Jökulsárlón, die Gletscherlagune, dessen Eismassen Scharen von Touristen an seine Ufer ziehen.

Bei leider sehr diesigem Wetter fuhren wir diesen Ort an und konnten lediglich einen eingeschränkten Blick auf den See werfen, der unweit von der Nordatlantikküste entfernt ist.
Nach einigen Minuten verließen wir den See wieder, um uns einen Campingplatz zu suchen und es am nächsten Tag bei besserem Wetter erneut zu versuchen.

Auf dem Weg zu unserem Campingplatz zeigten sich uns massive Gletscherzungen, die aus dem Nationalpark in Richtung Meer zu ziehen schienen.
In dieser Nacht sollten wir die erste halbwegs reale Nacht erleben, da wir im Schatten des größten Berges Islands campierten, dem Hvannadalshnúkur.
Sein Schatten erlaubte zum ersten Mal in diesem Urlaub eine Abendstimmung und so genossen wir die unbekannte Dunkelheit der Nacht.


Wir hatten Glück, am nächsten Tag war das Wetter komplett aufgeklart und der Jökulsárlón, sowie dessen Nachbarlagune Fjallsárlón zeigten sich von ihrer besten Seite.
Für mich persönlich war es viel imposanter die großen Gletscherzungen zu sehen, die in die Lagunen ragen, wirklich gewaltig, was hier einem die Natur bietet.
Durch Wanderwege ist es möglich die beiden Lagunen und die Gletscher ohne viel Gedrängel zu betrachten und den definitiv vorhandenen Massen an Touristen zu entgehen.

An diesem Tag hatten wir noch viel vor und ich möchte meinen, dass es der anstrengendste Tag der Reise war.
In Richtung Westen fahrend, kamen wir bald an einer Weggabelung vorbei, an der man ins Landesinnere auf der F208 bis ins Hochland von Landmannalaugar gelangen kann.
Zuerst wollten wir uns allerdings im Süden noch einige Punkte ansehen.

Reynisfjara, der Strand von Vík wird allgemein als tollster Vulkansteinstrand verkauft, doch ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir der Strand bei Hvalnes um einiges besser gefallen hat.
Hier im Süden des Landes merkt man die erhöhten Besucherzahlen doch deutlich. Wer eine Umrundung der Insel als zu beschwerlich oder lange erachtet, der macht eine 2-3 tägige Reise im Süden des Landes.
Weitere Basaltformationen am Strand von Vik lockten daher hunderte Besucher an, von denen wir uns aber fernzuhalten wussten.

Dyrhólaey ist ein alleinstehendes Felsenplateau direkt am Meer auf dessen großer Plattform ein unglaublich starker Wind weht und man einen tollen Blick über die Küstenlinie neben sich, das Meer vor sich und die Gletscher hinter sich genießen kann.

Der trockene Sandstrand im Westen lockt zahlreiche Fotografen und deren Begleiter mit einer sonderbaren Attraktion. In Mitten von staubigem Sand aus Vulkangestein liegt eine US-amerikanische C-117, ein Flugzeug, das einem alten Bomber ähnelt.
4 Kilometer Fußmarsch von der Straße entfernt, pilgern hier viele Menschen zum Wrack der in den 70ern abgestürzten Maschine, um das beste Foto zu schießen.



Wieder am Parkplatz angekommen machten wir uns auf den Weg zur vorher passierten Weggabelung zur F208.
Hier möchte ich gerne noch einmal einhaken.
Urlaub machen, neue Kulturen und Natur kennenlernen, das bedeutet für viele Menschen Entspannung, die Seele baumeln lassen, den Alltag vergessen und sich einfach treiben zu lassen.
Nun gibt es aber auch die Abenteuerurlauber, wie mich, die neben diesen Dingen auch den Nervenkitzel suchen, das Gefühl am Leben zu sein intensiver wahrzunehmen als es sonst der Fall ist.
Hürden sind dazu da, um überwunden zu werden und im Nachgang sagen zu können: „Ich war hier, ich bin dadurch und kam heil wieder raus.“ .

Die F208 bietet genau das.
Während Sie zu Beginn eine eher gewöhnliche Kieselstraße ist, erreicht man nach einigen Kilometern ein Warnschild, welches einem mehrere Dinge aufzeigt und ausdrücklich verbietet das nun folgende Gebiet mit einem handelsüblichen PKW zu befahren.
Luftlinie gerade einmal 20 Kilometer von hier entfernt, liegt in Mitten des Hochlandes die Ebene Landmannalaugar und der gleichnamige Zeltplatz.
64 Kilometer Hochlandstraße lagen vor uns und wir wussten bereits, was uns an diesem Abend noch bevor stehen sollte.


Wenige Kilometer nach der Einfahrt auf die Hochlandstraße und mit teils horrenden Straßenverhältnissen, bei denen viele Autos nicht weiter gekommen wären, liegt ein kleiner Campingplatz neben der Straße.
Dies konnte doch nicht Landmannalaugar sein, dachten wir uns. Der Weg war viel zu kurz und, ohne überheblich klingen zu wollen, viel zu einfach zu überwinden.
Wir fragten die ansässige Parkrangerin nach dem Zeltplatz von Landmannalaugar, den Sie uns weitere 55 Kilometer entfernt zwischen den Bergen versprach.

Nun ist ein Mitsubishi Pajero wahrlich kein kleines Auto, selten war unser Gefährt auf Parkplätzen nicht das Größte.
Doch die Rangerin blickte unbeeindruckt den Jeep an, auf den wir ja so stolz waren und meinte nur, dass er vielleicht etwas zu klein sein könnte. Die Bodenfreiheit lässt wohl zu wünschen übrig.
Sie wollte uns sicher keine Angst machen, ich konnte ihren Kommentar gut einordnen.
Immer wieder müssen auf dieser Straße Fahrzeuge aus den Flüssen geborgen werden, was nicht nur den Totalschaden des Fahrzeugs bedeuten kann, sondern auch einen saftigen 5-stelligen Rechnungsbetrag für die Bergung mit sich bringt.
Bevor Sie uns gehen ließ, erklärte Sie eindringlich, wie eine Flussdurchquerung am besten durchzuführen ist.
Man solle sich am Rand des Weges aufhalten, um nicht in die Fahrrinnen der größeren Fahrzeuge einzutauchen und unbedingt schräg auf das Gewässer zu fahren, damit die Strömung das Fahrzeug weniger stark erwischt.

Die Tipps waren Gold wert, sollten wir doch die nächsten 2,5 Stunden damit verbringen 55 Kilometer Hochlandstrecke und über 10 Flüsse zu durchfahren.
Gletscherflüsse sind besonders tückisch, da ihre Fließgeschwindigkeit sehr viel höher ist, als die von Flachlandbächen, wie man sie z.B. in Australien vorfindet.
Zusätzlich dazu sind die Flussbetten meist aus Kies und daher nicht sehr beständig.

Einige Kurven nach dem Campingplatz fuhren wir auf das erste Flussbett zu und ich bereitete mich auf das, was die erste von vielen Barfußbegehungen der Flüsse sein sollte, vor.
Eiskaltes Gletscherwasser und eine leichte Strömung umgaben meine Beine bis zum unteren Ende meiner Knie, während ich den besten Weg durch das Flussbett zu finden versuchte.
Konzentriert setzte ich mich wieder hinter das Steuer und fuhr mit ein wenig Anlauf durch den vorher ausgewählten Weg im Fluss.
Es funktionierte einwandfrei, auch wenn es doch sehr befremdlich für eine 4er Gruppe von behüteten Stadtkindern ist durch Gletscherflüsse mit einem Jeep zu fahren.

Die Strecke zog sich sehr lange hin und die restlichen 50 Kilometer bis zum Zeltlager waren von den schlimmsten Schlaglöchern gepflastert, die ich je gesehen habe. Man merkt wirklich, dass hier einfach keine normalen Straßenregeln mehr gelten.
Steigungen und Gefälle jenseits der 15%, knietiefe Flusspassagen und hohe Steinkanten, die den Tod für jeden Unterboden bedeuten können.
Manchmal kamen auch einige dieser Faktoren zusammen, wie z.B. bei extremer Steigung Schlaglöchern auszuweichen.

Da konnten wir froh sein, dass Wasser die nette Angewohnheit hat nicht über Steigungen zu fließen.
Es wurde langsam dunkler, als wir gegen 23 Uhr das Zeltlager in Mitten von Landmannalaugar erreichten.
Der Parkplatz vor dem Lager erschien mir unerwartet voll zu sein, jedoch beantwortete mir die große überflutete Furt vor dem Zeltplatz diese Frage. Nach über 2 Stunden extremem Gelände wollte ich es nicht noch ein letztes Mal riskieren steckenzubleiben. Ab hier sollte es in den Norden keine weiteren Flusspassagen geben und die paar hundert Meter in das Lager konnten wir auch über eine kleine Brücke zu Fuß bewerkstelligen.


Das Camp von Landmannalaugar hat einen Basiscamp Charakter.
Schroffer Steinboden mit Expeditionszelten bietet Wandergruppen einen Ausgangspunkt zu Ausflügen in den Nationalpark.
Hier standen mit Abstand die größten Fahrzeuge, die ich auf der Reise gesehen haben.
Umgebaute THW Fahrzeuge, Unimogs und eine Armada an Land Rover Defender lies mich hinterfragen, wieso ich so lange überzeugt war, dass der Pajero hier mitmischen könne.
Eigentlich hatte ich geplant hier einen Wandertag einzulegen, aber die Strapazen des vorherigen Abends gepaart mit dem unangenehmen Schlafplatz haben uns alle dann doch lieber den Weg in die Zivilisation zurück suchen lassen.

Es war mir eine große Freude schwierigste Passage meiner bisherigen Fahrerkarriere, wenn ich das nächste Mal zu dir komme, dann auf doppelt so großen Reifen und mit Nebelhörnern.

Die Nordstrecke in den Nationalpark, in dessen Mitte das Basislager liegt, ist mit weiteren 50 Kilometer nicht viel kürzer als der südliche Teil, jedoch dank fehlender Flüsse und anderweitig extremen Bedingungen sehr viel leichter zu befahren.
Sollte also Jemand hier her wollen, nehmt die Nordroute über die F26, die andere Richtung ist nur was für die ganz Harten…und für mich.
Nein im Ernst, ich würde nicht empfehlen mit Kleinstjeeps, wie einem Suzuki Jimny die südliche Straße zu nehmen.

Weitere 85 Kilometer weiter südlich stießen wir wieder auf die Ringstraße 1, nachdem wir insgesamt mehr als doppelt so viel Strecke aus dem Nationalpark heraus bewältigen mussten, als der Hinweg in Anspruch nahm.

In Sichtweite der beiden Vulkane Hekla und dem, aktuell sicher bekanntesten Vulkan Islands, dem Eyjafjallajökull stellten wir unsere Zelte auf und besuchten einige sehr schöne Wasserfälle des Umlandes inkl. dem wundervoll versteckten Gljúfrabúi. Hier könnt ihr durch einen Spalt über einige Trittsteine im Flussbett in eine Höhle gelangen, in die von oben der Wasserfall herein stürzt.
Das ist sehr nass, aber auch sehr sehr schön. Der Seljalandsfoss und der Skógafoss sind dann eher die typischen, wenn auch wunderschönen Touristenspots, die es trotzdem lohnt sich anzusehen.
Wahrscheinlich sind es für jemanden der Dynjandi und Dettifoss nicht gesehen hat mit die tollsten Wasserfälle des Landes, doch wie bereits erwähnt, wurde meine Wenigkeit etwas übersättigt.

Ungefähr 30 Kilometer südlich des Festlandes liegt in Sichtweite des Gipfels des Eyjafjallajökull die Inselgruppe der Vestmannaeyjar oder wie wir sie nennen, die Westmann Inseln.
Wir hatten bereits 2 Tage zuvor, so will es die Fährengesellschafft, Fahrkarten für eine Überfahrt auf die Hauptinsel der Vestmannaeyjar Heimaey gebucht.
Diese sind mit knapp 10 € wirklich nicht zu teuer und abgesehen von dem tollen Zielort ist es auch einmal schön das Land vom Meer aus zu sehen.

Vielleicht kennen einige der lesenden internetbegeisterten Menschen Fotos von schroffen Inseln, deren grüne Landmasse lediglich von einer einzigen kleinen Hütte besetzt ist.
Diese Rückzugspunkte im Falle einer Zombieapokalypse befinden sich hier.
Die Hütten sind alte Jagdhäuser, die die Isländer für die mehrtägige Jagd auf Puffins, Papageitaucher genutzt haben.
Heimaey hat gleich zwei größere Nistplätze dieser Vögel, die zusammen mit den Gruppen der umliegenden Inseln, die größte Puffinkolonie Islands und eine der größten der Welt bilden.

Die Hauptinsel der Vestmanneyjar wurde vor 24 Jahren Schauplatz eines Vulkanausbruchs, der die Insel und seine Bewohner langfristig verändern sollte.
Die Küstenlinie an der der Vulkan ausbrach verschob sich um einen Kilometer ins offene Meer, so sind heutzutage mehrere Quadratkilometer neue Landmasse, sowie ein neuer Vulkanschlot auf der Insel zu finden.
Glücklicherweise gab es damals keine Katastrophe, die Menschenleben kostete und so bauten die Bewohner ihre Stadt wieder auf. Das wirklich gute Vulkanmuseum erinnert an die Ereignisse von 1973 und stellt auch die Insel Surtsey vor.

Surtsey ist der einzige Ort auf der Welt, an dem der Mensch die Entstehung von Leben und die Besiedlung neuer Gebiete erforschen kann.
Eine Sperrzone um die Insel lässt keine menschliche Besiedlung zu und lediglich Expeditionen zur Kartographie und Artenbestimmung sind erlaubt, wirklich spannend.

Nachdem wir im Museum waren, bestiegen wir den neu entstandenen Vulkan Eldfell, der 200 Meter über dem Meeresspiegel thront.
An dessen Spitze, an der wir uns kurz ausruhten und den Ausblick genossen, befindet sich ein kleines Loch im Boden.
Hier geht es höchstens einen halben Meter tief in die erkaltete Vulkanschlacke hinein, bis man den Boden mit der Hand erreicht.
Der Vulkan strahlt an dieser Stelle eine unglaubliche Wärme aus, hier könnte man sogar Käse schmelzen.
Nicht, dass ich das ausprobiert hätte oder so, das wäre ja albern.

Bis jetzt hatten wir noch nicht einen Puffin gesehen und da schon Rentiere im Landmannalaugar, Polarfüchse und Wale uns nicht begegnet sind, wollten wir unbedingt diese Tiere aus nächster Nähe sehen.

Genau gegenüber vom Vulkan liegt die Schlucht Herjólfsdalur an deren Ende eine fast 280m hohe Klippe aus dem Boden ragt.
Ich kann euch sagen, ich bin noch nie einen so steilen Wanderweg empor geklettert.
Ungefähr 230 Höhenmeter im Zickzack an einer Steilwand empor ging es bis zum Bergkamm an dessen Überhang der Meereswind uns fast die Beine wegriss.
Nach einigem Hin und Her entschloss sich meine wunderschöne Reisepartnerin dazu, dass wir für Puffinsichtungen wohl noch weiter mussten.
Von hier aus können Mutige ein Stück weit zur Nordwestspitze der Insel auf dem Kamm entlang laufen und auf der Meeresseite der Steilklippe auf Vogelschau gehen.

Hier sahen wir sie dann in weiter Ferne arttypisch trolldoof mit den Flügeln schlagen.
Immer wieder flogen die kleinen Mischungen aus Papagei und Pinguin über uns hinweg, jedoch in einer Entfernung, die es unmöglich machte als Hobbyfotograf gute Aufnahmen der Tiere zu erhaschen.

Leicht enttäuscht aber dennoch glücklich machten wir uns auf den Rückweg.
Die Fähre zum Festland legte gegen 21 Uhr zum letzten Mal ab und wir hatten nur noch in etwa 2 Stunden auf der Insel, mussten aber noch ins Tal zurück und in die Stadt.
Es war also Zeit für den Rückweg, da bemerkten wir, dass wir wohl den Aufstieg über blind gewesen sein mussten.

Auf der Landseite der Klippe, kurz unter dem Bergkamm führten die Puffins einen Tanz auf und flogen teils wenige Meter über unseren Köpfen hinweg.
Ich bin kein Tierfotograf und werde es wohl auch eher nicht werden, aber der Durst die Tiere aus nächster Nähe zu sehen und das auf Film zu bannen, war deutlich spürbar.
Da ich mit meiner Handykamera hoffnungslos ausgerüstet war, musste ich mich auf meine Begleiter verlassen, die hier wohl stundenlang den schönen kleinen Tieren hätten zusehen können.


Hier oben stehend, genossen wir die Aussicht auf diese kleine Insel und ihre wundervolle Tierwelt in vollen Zügen.
Auch wenn es nicht ungefährlich ist und Bootstouren für die Tiere sicher besseren Abstand halten, so kriegt man in Mitten der Flugrouten, unweit der Nester der Tiere doch viel mehr das Gefühl Teil der Natur zu sein.

Nach dem Abstieg, der ebenfalls sehr mühsam war, begaben wir uns zur Fähre und fuhren zurück zum Festland.
Wie bestellt verabschiedeten uns die Puffins mit Jagdeinlagen auf dem Meer und Taucheinlagen in der Abendsonne.
Vertu blessaður Heimaey, auf Wiedersehen Heimaey, du bist eine Perle.


Zurück an Land fuhren wir in Richtung Reykjavik, da wir den spontan umgebuchten Wagen nicht die volle Zeit über behalten konnten, weil er im August vermietet war, mussten wir das Fahrzeug tauschen und so campierten wir südlich der Stadt Selfoss, bevor wir am nächsten Tag den Golden Circle, die Touristenmeile Islands besuchen wollten.

Hier im Hinterland Reykjaviks befinden sich die großen Geysire, von denen der Größte diesem Naturphänomen den Namen gegeben hat.
Geysir schießt nur während eines Erdbebens heißes Wasser 70 Meter in die Höhe, sein kleinerer Bruder hingegen schießt alle 10 Minuten 1-2 Mal eine 15 Meter hohe Säule.
Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich habe mir hiervon irgendwie mehr erhofft.
Das Areal um die Geysire ist sehr interessant mit teils Azurblauen Teichen aus kochendem Wasser, aber die unglaublichen Touristenströme und eher moderate Höhe des Geysirs machen dies nicht zu einem Highlight für mich.

Ein Stück nördlich der Geysire befindet sich mit dem Gullfoss der wohl meist frequentierte Wasserfall Islands.
Tausende Menschen drängten sich zum Rand des Wasserfalls und machten den Ort ebenfalls nicht zu einem Highlight.
Versteht mich nicht falsch der Wasserfall sieht toll aus und ist gewaltig groß, aber nun ja Dettifoss ist ihm zuvor gekommen.


Das letzte Ziel des Golden Circle ist der Nationalpark Þingvellir, das wird in etwa thingvellir ausgesprochen.
Hier sieht man die Kontinentalspalte, die Island auf zwei tektonischen Platten sitzen lässt am aller deutlichsten.
Man kann zwischen den Rändern der Platte entlang laufen und von Amerika zur eurasischen Seite blicken.
Ein toller Ort nicht nur für Geologen, sondern auch für Sporttaucher, denn der See Þingvallavatn beinhaltet die Silfraspalte, welche dafür bekannt ist, das klarste Wasser der Welt zu enthalten.
Da ich keine Ambitionen hatte einen Trockentauchschein zu machen und dann 300 € für einen Tauchgang auszugeben, habe ich mir das Spektakel lieber mit meinen nicht Tauchfreunden und meinem Tauchbuddy fürs Leben von oben angesehen.
Es ist unglaublich, wie klar das Wasser hier ist, die Treppe, welche in die Spalte führt lässt nicht erkennen an welcher Stelle das Wasser beginnt.

Somit ist klar, dass ich hier irgendwann einmal mit einer Flasche auf dem Rücken in das 2-4 Grad kalte Wasser eintauchen und mir das Ganze von unten ansehen muss.

Für die restlichen Tage auf Island nisteten wir uns auf der Halbinsel von Keflavík unweit von Reykjavik ein.
Wir brachten am nächsten Tag das Auto zur Vermietungsfirma und erhielten einen sehr neuen Hyundai Tucson als Leihwagen für die restlichen Tage.

Reykjavik selbst ist wirklich nicht sehr groß und auch die Attraktionen und Sehenswürdigkeiten halten sich leider in Grenzen.
Nebst einem Besuch in der Hallgrimskirkja, von deren Kirchenturm aus man die ganze Stadt sehen kann, empfehle ich einen Besuch in den beiden Szenestraßen Austurstræti und Bankastræti.
Hier ist Reykjavik wirklich cool und jung, so wie ich es mir vorgestellt habe.

Darüber hinaus waren wir lediglich etwas Landestypisches essen.
Hier habe ich neben dem unglaublich leckeren plokkfiskur, was grob gesagt Kartoffelbrei mit Fischstückchen ist, auch hákarl gegessen, den berüchtigten fermentierten Hai.
Ich will über die Essbarkeit nicht urteilen, mir hat es gar nicht geschmeckt und eine sich entwickelnde Fäulnis im Mund ist nicht mein Fall, aber ein Bekannter von mir, den wir einige Tage später in einem Vorort getroffen haben, schwört auf das Zeug.
Isländisches Roggenbrot ist der Wahnsinn und auch Lammfleisch ist nie verkehrt.

Nun bleibt mir nur noch übrig unser letztes Highlight dieser Reise näher zu beschreiben.
Am Vortag unserer Abreise hatten wir eine Tour in den Thrihnukagigur Vulkan gebucht und fuhren hierzu einige Kilometer von Reykjavik entfernt in ein im Sommer stillgelegtes Skigebiet.

Während der Wanderung zum Vulkan konnte man auch hier die Plattentektonik deutlich sehen, so mussten wir beispielweise über eine kleine Metallbrücke laufen, die praktisch Euroasien mit Amerika verbunden hat.
Nach einem kurzen Briefing im Basecamp der Firma, die den Abstieg in den Vulkan anbietet, legten wir schon die Sicherungsgurte an und setzten die Höhlenforscherhelme auf.

120 Meter tief fährt man hier vom Gipfel des Vulkans mit einem umgebauten Fensterputzerlift bis auf den Boden der kollabierten Magmakammer hinab.
Hier unten kann man in einer kleinen Gruppe von 8 Leuten die Kräfte der Natur mit eigenen Augen sehen.
In Mitten der Erde fühle ich mich zurück erinnert an den Beginn unserer Reise und die Abenteuer der Figuren aus Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, die am Snæfellsjökull ihren Anfang nahmen.



Wo wir gerade beim Thema „Zurück“ sind, am nächsten Tag stiegen wir nachts in den Flieger und konnten sicher in Frankfurt landen.
Frankfurt hat übrigens mehr als zweimal so viele Einwohner, wie das schöne Land, das ich euch auf den letzten Seiten vorstellen durfte.

Am Ende dieser Reise bleibt mir nur übrig mich bei meiner Reisegruppe und meiner Freundin zu bedanken, die mich durch die nächtliche Kälte hinweg begleitet hat.
Island ist wahrlich kein Land für einen entspannten Erholungsurlaub.
Es ist ein Ort der einem seine Schönheit nur zeigt, wenn man es sich verdient und ich denke, dass wir 4 das allesamt geschafft haben.

Wir haben über 3,500 Kilometer in 16 Tagen zurück gelegt und dabei eine raue Umgebung kennengelernt, vor deren Bewohnern ich meinen Hut ziehen muss.
Man lässt viel Schweiß durch beschwerliche Wege und Tränen durch Wind und Kälte zurück, aber man nimmt sich doch ein Stück Island mit.
Nämlich das Wissen, dass der Mensch nicht immer Herr seiner Umgebung sein kann oder sollte.
Der Einklang mit der Natur ist es doch, der einen am meisten erfüllt.

Neue Wege findet man nicht indem man das Straßenschild auf der planierten Straße liest, sondern durch die Besteigung von Bergen, die Entdeckung von Tieren, deren Sichtung man fast aufgegeben hat.
Schaut euch Island an, wenn ihr denkt dafür gemacht zu sein, aber bitte reiht euch ein, denn nichts wäre schlimmer, als dieses Land, wo der Mensch geduldet wird, unserer alleszerstörenden Modernisierung zum Opfer fallen zu lassen.

Danke für euer Durchhaltevermögen bei diesem ewig langen Beitrag.
Ich hatte noch nie so viele Dinge über die ich schreiben und so Wenige, die ich außer Acht lassen wollte.


Bis zum nächsten Mal Freunde.